11. Grafschafter Trecker Treck

September 2020

Tractorpulling

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Wettkampf

Tractorpulling ist ein Zugkraftwettbewerb. Es geht darum, den stärksten Traktor und geschicktesten Fahrer herauszufinden.
Auf einer 80 bis 100 m langen und 10 m breiten Wettkampfpiste aus Lehm wird ein sogenannter Bremswagen von den Teilnehmern und ihren Traktoren gezogen. Damit dieses nicht ganz so einfach ist, hat der Bremswagen eine besondere Eigenschaft: Je weiter man ihn zieht, desto schwerer lässt er sich ziehen.
Ziel eines jeden Fahrers ist den Bremswagen mit seiner Maschine ohne zu stoppen über die gesamte Bahn zu ziehen. Wird das Ziel erreicht so nennt man dies „Full Pull“ (deutsch: „vollständiger Zug“)
Erreichen mehrere Teilnehmer einer Klasse einen „Full Pull“ so müssen diese unter erschwerten Bedingungen (mehr Gewicht im Bremswagen) im Stechen noch einmal gegeneinander antreten. Wer in diesem Fall die weiteste Distanz schafft, hat gewonnen.
Es wird in verschiedenen Klassen gestartet: Vom 6-kW-Rasenmäher bis hin zum 7000 kW starken Eigenbau. Die Klassen beim Tractorpulling werden im wesentlichen nach Gewicht des Zugfahrzeugs gegliedert. In den Freien Klassen haben die Traktoren nach den Umbaumaßnahmen teils bis zu 7.000 kW.
Da der Unterhalt eines Renntraktors zum Pulling sehr aufwändig werden kann, tun sich oft die Motorsport-Interessierte in Teams zusammen, um einen Traktor zum Pulling zu unterhalten.

Die Trecker

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten von Treckern, die dabei zum Einsatz kommen.

Standard-Klasse

In der Standard-Klasse (im Englischen „Farm Stock“) fahren Trecker, die vom Hof eines jeden Bauernhofes kommen können. Sie sind nicht für den Trecker-Treck gebaut, dürfen auch nicht in ihrer Motorleistung modifiziert werden. In der Deutschen Meisterschaft wir mit einem Air-Restriktor gefahren.

Sport-Klasse

In der Sport Klasse (im Englischen „Hot Farm“) dürfen die Trecker der Teilnehmer in ihrer Leistung getunt werden. Je nach Reglement, welches auf der Veranstaltung gültig ist, dürfen andere Motoren, zusätzliche Turbolader oder andere Kraftstoffsysteme verwendet werden. In der Deutschen Meisterschaft wird mit einem 68mm großen Air-Restriktor gefahren.

Pro-Stock Klasse

In der Pro Stock Klasse basiert der Traktor auf einem Serienschlepper und darf mit maximal einem Turbolader getunt werden und muss mit Diesel betrieben werden.

Super-Stock Klasse

Ein Super Stock Tractor muss das originale Aussehen behalten, aber bis auf den Motorblock und dessen Position im Traktor, hat ein Super Stock nichts mit einem Serientraktor gemein.

Freie Klasse

Zunehmend finden in Deutschland auch so genannte „Rasenmäher Pullings“ oder „Geländewagen Pullings“ statt. Auch Maishäcksler werden ab und an auf ihre Kraft vor dem Schleppwagen überprüft. Auch in diesen speziellen Bereichen gibt es Unterteilungen nach Leistung, Gewicht oder Modifikationen.
Es existiert ein umfangreiches Klassement mit technischen Vorschriften, wie die Traktoren umgebaut, bzw. gebaut werden dürfen oder müssen, um regelkonform zu sein. Schutzeinrichtungen an den Traktoren für die Zuschauer zählen zu den wichtigsten Bestandteilen des Reglements, denn falls ein Motor unter zu hoher Drehzahl explodiert, können Treffer durch Metallsplitter tödlich sein. Eine wichtige Maßnahme für die Fahrer ist der Schutz des Traktors gegen Umkippen nach hinten: Hierzu werden Gleitkufen an Tragarmen eingesetzt, die den Traktor und seinen Rennpiloten vor einem Überschlag schützen.
Wird das Zugmaul allerdings zu tief also unterhalb der Achse angebracht, so reicht oft der Druck auf den Boden nicht aus, sodass die Reifen in Gefahr verlaufen durchzudrehen. Allerdings ist hier die Gefahr eines „steigenden“ Treckers minimal. Auch die Höhe des Zugmauls (Fachsprache für die Anhängevorrichtung) ist von entscheidender Bedeutung. Es gilt hier das richtige Verhältnis zu finden, das sich zwischen möglichst hohem Druck auf den Boden und möglichst geringer Gefahr zu „steigen“ befindet. Mit Gewichten, die weit vorne am Trecker befestigt werden, lässt sich die Gefahr zu „steigen“ mindern.

Motoren

In den offen Klassen kommen, neben amerikanischen Big-Block-Motoren aus dem Dragster-Sport, meist ausrangierte militärische Antriebe zum Einsatz. Diese stammen aus Panzern, Hubschraubern (Gasturbinen), oder aus Propellerflugzeugen, wobei sowohl V12-Motoren wie z.B. Rolls-Royce Griffon oder Sternmotoren verwendet werden.

Die Bahn

Ein Trecker Treck findet auf einer vorzugsweise lehmig-festen, ebenen Bahn von 80 bis 100 Metern Länge statt. Hierfür gilt es die richtige Bereifung für seinen Trecker auszuwählen. Je mehr Profil die Reifen noch haben, umso mehr krallen sich diese in den Boden, wühlen aber auch das Erdreich auf. Wenn die Reifen kein Profil mehr haben, also blank sind, hat der Trecker eine größere Fläche, mit der er auf dem Boden aufliegt, kann aber schnell ins „Rutschen“ kommen. Wenn die Räder erst einmal durchdrehen, hat der Trecker keinen Grip mehr, die Reibung ist abgerissen und der Zugvorgang kann abgebrochen werden. Viele Starter fahren deshalb mit einem eher niedrigen Reifendruck von ca. 0,3–1 bar (vgl. Autoreifen ca. 2,5 bar), um durch den „platten“ Reifen noch mehr Auflagefläche auf den Boden zu haben. Die Auswahl des richtigen Reifens ist von vielen Kriterien abhängig und entscheidet nicht selten über Sieg oder Niederlage.

Der Bremswagen

Der Bremswagen (auch Gewichtewagen, Schleppwagen oder Bremsschlitten genannt) sorgt dafür, dass der Zugvorgang je nach zurückgelegter Distanz schwieriger wird und der Trecker langsam an seine Grenzen geführt wird.
Der Bremswagen ist länglich in Fahrtrichtung und hat eine Hinterachse mit zwei Rädern und vorne, anstelle einer Vorderachse, eine Gleitkufe.
Durch ein auf dem Bremswagen verschobenes Gewicht, die Back, welche sich am Anfang hinten, also auf der Achse befindet, wird die Kufe umso stärker belastet, je weiter der Traktor mit dem Gewichtswagen auf der Strecke vorwärtskommt. Dadurch erhöht sich die Reibung zum Boden und das Ziehen des Schleppwagens wird schwerer. Es wird also mit dem Streckenfortschritt immer schwerer, den Bremswagen zu ziehen. Diese Gewichtsverschiebung wird über einen Getriebe-Antrieb von der Hinterachse des Bremswagens betätigt.
Je nach Gewichtsklasse sind die Gewichte der Back und das Eigengewicht der Schleppwagens variabel einstellbar, so können sowohl kleine als auch große Trecker mit demselben Schleppwagen an ihre Grenzen geführt werden. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit einen oder mehrere Dorne in das Erdreich zu treiben, wodurch der Zugwiderstand auch steigt.

Klassen

Europameisterschafts-Klassen

In der Europameisterschaft werden acht Kategorien ausgetragen:

  • Gardenpuller (Garten-Traktoren)
  • Minipuller (Mini-Traktoren bis 950 kg Eigengewicht)
  • Pro Stock ( Frisierte Standard-Traktoren mit einem Turbo)
  • Super Stock (Eigenbau-Traktoren mit Haube und original landwirtschaftlichem Motorblock)
  • Modified (Prototypen)
  • Two wheel drive truck (ähnlich den Funny Cars im Dragster-Sport)
  • Truck (LKW)

Deutschland

In Deutschland wird die DM von der DTTO e.V. in folgenden Klassen ausgefahren:
Garden Pulling DM: - 350 kg Standard - 500 kg Modified (Freie Klasse) - 600 kg Compact Diesel

Farm Pulling Serie:

Standard Klasse bis 4,5t bis 6 & bis 8 Tonnen
Sport-Klasse bis 3,5, 4,5t, 5,5t und 6,5 Tonnen

Die Einteilung der Bauernklassen in der Farm Pulling Serie ist dem Veranstalter überlassen und es wird keine DM gefahren.

In der Tractor Pulling Meisterschaft

Freie Klasse bis 2,5, 3,5, 4,5 und 5,4 Tonnen
Pro-Stock-Klasse bis 3,5 Tonnen
Super-Stock-Klasse bis 3,5 Tonnen
Mini-Puller-Klasse bis 950 kg

Gewogen werden die Trecker jeweils vor dem Ziehen

Geschichte des Tractor Pullings

Tractor Pulling entstand in den 1940er Jahren in den USA. Nach der erfolgreichen Mechanisierung in der Landwirtschaft wollten die Bauern wissen, wer von ihnen den stärksten Traktor hat.
Sie trafen sich sonntags nachmittags zum Traktor-Wettkampf. Zu Beginn ließ man immer zwei Traktoren gegeneinander antreten. Die zwei Traktoren wurden mit einer Kette verbunden und mussten nun gegeneinander ziehen. Wer den anderen in seine Richtung ziehen konnte, hatte gewonnen. Das ganze funktionierte also nach dem Prinzip Tauziehen.
Da dieses System sehr zeitaufwändig war, musste man ein anderes System herausfinden. Es dauerte nicht lange, bis man auf die Idee kam, einen Felsbrocken zu ziehen.
Weil diese Methode immer noch ziemlich zeitaufwändig und auch nicht sehr genau, entwickelte man das System „Plattenspringer“. Dieses System hatte großen Erfolg.
Das Tractorpulling verbreitete sich schnell. Besonders auf den „Country Fairs“ (Jahrmärkten in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten) entwickelte sich das Tractorpulling zu einer gern gesehenen Show. Auch heute bilden diese „Fair Pulls“ ein wichtiges Standbein des amerikanischen Tractorpullings.
Schon bald wurden die Traktoren eigens für das Tractorpulling frisiert. Es wurden immer größere und stärkere Traktoren gebaut. Es ging soweit, dass ein V8-Motor nicht mehr stark genug war, und die ganz schweren Puller bauten sich aus Panzermotoren, Flugzeug- und Helikopter-Turbinen Traktoren mit mehreren tausend kW. Diese Traktoren starten in den Freien Klassen.

Einzug nach Europa

Die Traktoren wurden nach einigen neuen Entwicklungen immer stärker und teurer. Als das Tractorpulling 1977 nach Europa kam, waren die Leistungen der stärksten Traktoren auf etwa 1850 kW gewachsen.
1977 fand auf dem niederländischen Flevohof das erste Tractorpulling anlässlich der Weltmeisterschaft im Pflügen statt.
Einige amerikanische Traktoren wurden samt Bremswagen per Container nach Holland gebracht. Die Leistungsmonster stahlen dem eigentlichen Event, dem Wettpflügen, die Show. Von da an breitete sich Tractorpulling über ganz Europa aus. Die DTTO (Deutsche Trecker Treck Organisation) wurde in Deutschland als Organisation gegründet, die Tractorpulling in Deutschland auf eine faire Wettkampfbasis mit Sicherheitsreglement und Deutscher Meisterschaft stellte.
Zusammen mit anderen nationalen Verbänden ist sie auch Teil der ETPC (European Tractorpulling Committee), des Europäischen Dachverbands des Tractorpullings.
Im Gegensatz zu Amerika hat das europäische Tractorpulling eine andere Entwicklung durchgemacht: Gleich von vornherein wurde die Freie Klasse als Hauptpublikumsmagnet gehandelt. Allerdings haben die „Stock“-Klassen, die auf Ackerschleppern aufbauen, in den letzten Jahren erheblich an Popularität zugenommen. So ist die Pro-Stock-Klasse die momentan populärste Klasse, in der sogar Werksteams an den Start gehen.

Deutschland

Tractor Pulling wird in Deutschland seit den späten 70er Jahren betrieben. 1980 gründete sich die DTTO (Deutsche Trecker Treck Organisation e.V.) um dem Sport nach amerikanischem Vorbild ein Sicherheitsreglement zu geben.
Sie unterstützt Veranstalter bei der Planung und Durchführung von Trecker-Trecks nicht nur technisch sondern bietet auch die Versicherungen der Fahrer und Zuschauer an. Damit dieser Schutz gültig wird, muss ein Reglement eingehalten werden. So haben sich die Starter an verschiedene Sicherheitsbestimmungen und sogar Bauweisen ihrer Trecker zu halten.
Als Veranstalter ist man jedoch nicht gezwungen seinen Trecker-Treck zusammen mit der DTTO zu organisieren und kann somit auch seine eigenen Regeln aufstellen. Sollten diese jedoch nicht genug Sicherheit bieten kann sowohl der Veranstalter als auch der Fahrer eines Unfallfahrzeuges zur Rechenschaft gezogen werden. Daher ist es notwendig sich ein sinnvolles und sicheres Regelwerk zu erschaffen oder gleich mit entsprechenden Vereinen zusammen zu arbeiten.

 


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